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Hamburg: Weltstadt oder Kreisliga? – Ein Zwischenruf

Den begeisterten Bericht einer Mitstreiterin über eine Exkursion nach Wien und die dortige Stadtentwicklungspolitik nahm unser Ini-Mitglied Jens Schnoor zum Anlass für folgenden emotionalen Zwischenruf:

»Wien ist natürlich eine ganz andere Nummer als Hamburg. Wien ist eine Weltstadt. Ein markantes Zeichen von Weltstädten ist die Geschwindigkeit, in der sie sich entwickeln. In den 1920er-Jahren war Berlin die Nummer 1, vor Paris und Tokio. Und dazu gehört nicht nur, innovativ zu sein, sondern auch die Bereitschaft, radikale Schritte zu gehen. Wie Wien mit seiner sanften Stadterneuerung, die die Missstände früherer Zeiten (Bassenawohnungen) beseitigt hat, oder Paris mit seiner Verkehrswende und Verkehrsberuhigung.

Hamburg würde allzu gerne auch in dieser Liga spielen, scheitert aber immer wieder. Pfeffersackmentalität geht nun mal kein Risiko ein. Wie ich in der letzten Saison über die Spielweise unseres FC St. Pauli sagte: Wer Angst hat zu verlieren, hat schon verloren. Bestes Beispiel ist das Palomaviertel. Ein innovativer Entwurf, auch in Sachen Bürgerbeteiligung, wurde durch eine furchtbar langweilige, Geld generierende Beliebigkeit ersetzt. „Sechs, setzen!“ Oder die Sternbrücke. Wäre Hamburg das, was sie gerne sein würde, hätte sie den Erhalt der Brücke, der Clubs und des Umfeldes nicht nur mit eingeplant, sondern auch darauf aufgebaut. Es war ein Geschenk an die Stadt und seine Bewohner*innen, was dort vernichtet wurde. Stattdessen dominiert und zerstört nun ein aus einem Fiebertraum entsprungenes Monstrum den Stadtraum. Ganz zu schweigen von der Brammerfläche, ehemals Heimat des Central Parks, nun auf Jahre ein verödeter Abstellplatz. Auch hier: „Sechs, setzen!“

Und nun das Holstenareal. Verbindungsglied zwischen dem geplanten neuen Bahnhof am Diebsteich und Altonaer Zentrum. Absolute Toplage, umgeben von den begehrtesten Stadtvierteln Hamburgs. Die Stadt hätte hier alle Möglichkeiten gehabt, ein innovatives Viertel in Sachen Umweltschutz, Soziales, Inklusion und Vielfalt zu entwickeln. Richtungsweisend für neue Standards. Eine Landmarke zukünftiger Stadterneuerung und Stadtentwicklung.

Das Ergebnis aber ist ein von einem grün angestrichenen Geldautomaten entworfenes Dokument des ökologischen und sozialen Versagens und Grauens. „Sechs, setzen!“ Dieses Dokument muss gelöscht werden. Es führt Hamburg nicht in die 1. Liga der Weltstädte, sondern in die Kreisliga öder Orte.

Wir müssen dies der Öffentlichkeit mit aller Deutlichkeit klarmachen. Dass unsere 13 wilden Thesen nichts Negatives bewirken, sondern vielmehr Räume für Innovationen, Möglichkeiten und Vielfalt schaffen. Eine Weltstadt entsteht durch seine Bevölkerung – wenn man sie lässt.«

Jens Schnoor, Mitglied Holstenareal-Initiative „knallt am dollsten“ und Freundeskreis Sternbrücke, 29.9.2026