Holsten-Areal, 22765 Hamburg hallo@knallt-am-dollsten.de
Papierflaschen mit politischen Slogans

Presseerklärung

Knockout für Adler – Hoffnung für das Holstenareal
Initiative fordert Kommunalisierung des Geländes

Angesichts des für die Adler Group desaströsen KPMG-Gutachtens fordert die Initiative „knallt am dollsten“ die Stadt Hamburg und den Bezirk Altona auf, die Verhandlungen mit dem Immobilienkonzern für gescheitert zu erklären und die Kommunalisierung des Holstenareals unverzüglich einzuleiten.

Nun hat sich bewahrheitet, wovor kritische Stimmen seit Monaten gewarnt haben: Die zentralen Vorwürfe gegen den Immobilienkonzern Adler Group in Bezug auf dubiose Finanztransaktionen zum Zwecke der privaten Bereicherung und Ausplünderung der Teilgesellschaften konnten von dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG nicht widerlegt werden. Zweifelhaft sei zudem, ob die Firma über das nötige Kapital verfüge, um laufende Entwicklungsprojekte umzusetzen. Der Stillstand auf fast allen Baustellen des Konzerns spricht Bände. Damit ist die „Methode Adler“ – unbegrenzte Renditesteigerung, ohne zu bauen – an ihr Ende gekommen. Der Konzern musste im Jahresabschlussbericht 2021 einen Milliardenverlust einräumen. Die Aktie befindet sich im Sturzflug Richtung Ramschniveau.

Das hat gravierende Auswirkungen auch auf die fünf Hamburger Consus/Adler-Projekte, insbesondere das Holstenareal. Es zeigt sich, wie verantwortungslos es von Bezirk und Grünen war, keinen Plan B für die Übernahme des Holstenareals vorbereitet zu haben. Stattdessen wurde trotz aller öffentlichen Kritik stur am städtebaulichen Vertrag mit Adler festgehalten. Instrumentarien und gesetzliche Hebel, die der Politik zur Verfügung gestanden hätten, wurden systematisch kaputtgeredet, um die eigene Passivität zu rechtfertigen. Das Diktum der Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg, „es sei gutes kaufmännisches Gebaren, das Vertrauen in den Investor zu setzen, dass er uns nicht hinter die Fichte führt“, bringt diese Form der Politikverweigerung in erschütternder Weise auf den Punkt. Die Option einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme, die der Politik weitreichende Möglichkeiten bis hin zur Enteignung an die Hand gegeben hätte, wurde zudem von Sprechern der Grünen negiert. Nun steht diese perspektivlose Politik vor einem Scherbenhaufen.

Immerhin hat das für Adler desaströse KPMG-Gutachten bewirkt, dass das Bezirksamt Altona vom Investor die Finanzierungszusage einer Bank für das gesamte Bauvorhaben auf dem Holstenareal verlangt. Angesichts der geradezu pulverisierten Kreditwürdigkeit des Konzerns wird das wohl im Bereich des Wunschdenkens verbleiben. Weitere Schritte sind also notwendig.

Das Desaster rund um Adler öffnet aber auch ein Fenster der Hoffnung für das umkämpfte Areal. Zum ersten Mal seit 2009/10, als es der Stadt gelang, das Gängeviertel von dem Investor Hanzevast zurückzukaufen, gibt es wieder die reale Chance, einen zukünftigen Stadtteil dem Imperativ hemmungsloser Profitmaximierung zu entziehen und eine soziale und solidarische Stadtentwicklung auf den Weg zu bringen. Dies verlangt von den verantwortlichen Politiker*innen Mut und politischen Gestaltungswillen.

Wir haben genug von unsäglichen Skandalen à la Cumex und Wirecard! Wir fordern den Bezirk Altona und den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg auf, die Verhandlungen mit Consus/Adler endgültig für gescheitert zu erklären und den städtebaulichen Vertrag in den Schredder zu befördern. Stattdessen müssen die politischen Entscheidungsträger*innen die Kommunalisierung des Geländes unverzüglich in Angriff nehmen und die dafür notwendigen Schritte einleiten. Dafür müssen alle zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft werden, die Baugesetzbuch und Grundgesetz bieten, einschließlich einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme, wie sie für die Consus-Projekte in Harburg bereits gilt. Der Kaufpreis sollte dabei auf einen sozialverträglichen Verkehrswert begrenzt werden.

Dies würde einen echten Neustart für das Holstenareal ermöglichen. So könnte tatsächlich ein Quartier entstehen, das über Hamburg hinaus als Modell eines diversen, inklusiven, klimagerechten und lebendigen Stadtteils Strahlkraft besäße. Die zukünftigen Bewohner*innen und die Nachbarschaft sollten tatsächlich an der Planung beteiligt werden, statt sie wie bisher mit sinnentleerten Formaten der Scheinpartizipation für dumm zu verkaufen. Auch die Herstellung gesunder Wohnverhältnisse bekäme ebenso eine Chance wie eine Stadtplanung, die den Herausforderungen des Klimawandels – insbesondere nach den Erkenntnissen des aktuellen IPCC-Reports – gerecht würde.

Das Modell einer renditegetrieben Wohnungsbaupolitik ist krachend gescheitert und außerstande, erschwinglichen Wohnraum für die Mehrheit der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Die Bebauung des Holstenareals gehört in die Hände eines Konsortiums aus Genossenschaften, kommunalen Wohnungsbauunternehmen und selbstverwalteten Projekten im Sinne einer neuen Wohngemeinnützigkeit. Einige von ihnen hatten dazu bereits 2016 ihre Bereitschaft erklärt.

Flankierend müssen auf Bundesebene den Worten nun Taten folgen: All die wohlklingenden Anträge in der Hamburger Bürgerschaft, die auf eine sozial gerechte Bodenpolitik, die Stärkung des kommunalen Vorkaufsrechts, seine Anwendung auch auf Share Deals sowie eine Bodenpreislimitierung abzielten, sind endlich energisch in verbindliche Gesetzesform zu bringen. 

Für eine soziale und solidarische Stadt, für ein zukunftsfähiges und klimagerechtes Holstenquartier.

Hamburg, den 1. Mai 2022
Holstenareal-Initiative „knallt am dollsten“

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