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Quantum im Stadtentwicklungsausschuss, 1. Teil: Ein Trauerspiel

Am 20. Mai 2026 stellte Firmenchef Frank Gerhard Schmidt im Stadtentwicklungsausschuss Altona die Pläne von Quantum für das zukünftige Holstenquartier vor. Der Verlauf der Sitzung fügte sich leider in die negativen Erfahrungen ein, die wir bereits bei verschiedenen Gelegenheiten machen mussten. Obwohl erstmals seit dem Verkauf des Grundstücks an den neuen Investor im vergangenen Jahr die Grundzüge der neuen Planung öffentlich vorgestellt wurden, wurde dem anwesenden Publikum von der Ausschussvorsitzenden das Recht verweigert, eigene Fragen zu stellen und so über weitere Details Klarheit gewinnen zu können. Auch die Mehrheit der Ausschussmitglieder verhielt sich merkwürdig passiv und nutzte die Gelegenheit zum Nachhaken nicht.

Nach einem halben Jahr Geheimverhandlungen ist das ein schlechtes Omen für die Standfestigkeit der Politik, wenn es um die weiteren Verhandlungen mit dem Investor geht. Diesem wurde signalisiert, dass er mit ernsthaftem Einspruch seitens des Bezirks nicht rechnen muss, sondern frei schalten und walten kann.

Aus der Zusammenschau der verschiedenen Informationen, die uns vorliegen, konnten wir dennoch folgendes Bild der Neuplanung des zukünftigen Holstenquartiers gewinnen:

– Es wird sechs Baufelder geben, davon vier mit geschlossener Blockrandbebauung (siehe Karte oben, Anzahl der Geschosse in römischen Zahlen).
– Es sind drei Hochbauten mit 20, 18 und 15 Geschossen in drei Baufeldern vorgesehen, die in der Mitte des Quartiers angeordnet sind.
– Die Sozialwohnungen der SAGA werden am schlechtesten Standort parallel zu den Bahngleisen errichtet.
– Es wird einen Anteil von 50 % Sozialwohnungen geben. Die Verteilung auf die drei Förderwege wurde mit 50 % 1., 15 % 2. und 35 % 3. Förderweg angegeben. Damit wird die Relation der drei Förderwege zuungunsten der einkommensärmeren Schichten verschoben. Den Anspruchsvoraussetzungen auf eine geförderte Wohnung zufolge, auf die die Hamburger Bevölkerung einen Anspruch hat, wäre die proportionale Verteilung nach Dreisatz (bezogen auf 65 % förderberechtigte Hamburger*innen) 55,4 % 1. Förderweg (= 36 % der Bevölkerung), 21,5 % 2. Förderweg (= 14 % der Bevölkerung) und 23,1 % (= 15 % der Bevölkerung) 3. Förderweg.
– Es soll in den SAGA-Wohnungen einen „hohen Anteil von Wohnungen mit WA-Bindung“ geben. Wie viele genau, konnte F.G. Schmidt aus dem Gedächtnis nicht sagen.
– Wohnungen für Studierende und Auszubildende, die „am meisten Lärm abkönnen“ ( FGS), liegen an der Holstenstraße und zum Quartiersplatz hin.
– Das Haus Haubachstraße 91 wurde mittlerweile an Quantum verkauft. Quantum hat Bestandsschutz zugesichert, es seien aber umfangreiche Renovierungsarbeiten nötig (die vermutlich mit Mieterhöhungen verbunden sein werden).
– Die Innenhöfe sind im Vergleich zur Mitte Altona größer, welchen Umfang die öffentlich zugänglichen Grünflächen haben und inwieweit diese den Vorgaben des Landschaftsprogramms Hamburg entsprechen (6 qm pro Einwohner*in), blieb unklar. Gleiches gilt für die Durchlüftung, Abkühlung und Klimaresilienz des Quartiers. Hierzu finde noch ein Austausch mit der BUKEA statt. Hier ist dringend eine Klärung geboten, weil Lebensqualität und gesunde Wohnverhältnisse in dem zukünftigen Quartier davon elementar abhängen.
Altbauten: Die nutzbare Fläche von Sudhaus und Malzsilo betrage nicht 4-5.000, sondern nur 2.000 qm. Auf Nachfrage, ob denn hier das früher geplante Quartierszentrum unterkommen solle, antwortete F.G. Schmidt ausweichend und sprach eher von einem Quartiersbüro. Auch hier muss dringend nachgebohrt werden, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Das Versprechen eines echten Quartierszentrums muss umgesetzt werden.
Juliusturm und umgebende (Neu-)Bauten sind für Hotel- und Gewerbenutzung vorgesehen. Die Höhe des Juliusturms ist auf der Planzeichnung mit 15 Geschossen angegeben, was für einen Neubau spricht. Die denkmalgeschützte Schwankhalle ist für einen Betrieb mit Außengastronomie reserviert. Sämtliche verbliebenen Hallen an den Bahngleisen werden abgerissen. Sowohl Hotel als auch Gastro sollen laut MOPO von Quantum selbst betrieben werden.
– Völlig unbeantwortet ist bislang die Frage nach kleinteiligem, stadtteilbezogenem Gewerbe, sozialer Infrastruktur und Begegnungsräumen für verschiedene Altersklassen. Diese müssten vorrangig in den Erdgeschossflächen des neuen Quartiers untergebracht werden, um einen lebendigen Stadtteil zu ermöglichen.
Baugemeinschaften: Es ist nach wie vor nicht definitiv klar, ob es Baugemeinschaften geben wird, Quantum ist aber nach eigener Angabe im Gespräch mit einer angesehenen Traditionsgenossenschaft. Die verschiedenen politischen Parteien, die sich für Baugemeinschaften ausgesprochen haben, müssen dafür Sorge tragen, dass diese im städtebaulichen Vertrag festgeschrieben werden.
Autofreies Quartier: Dies ist ein Pluspunkt der neuen Planung. So entfällt auch die früher vorgesehene Verbindungsstraße und Busspur zwischen Harkort- und Haubachstraße parallel zu den Gleisen. Allerdings wird es weiter Tiefgaragen geben, was aus klimapolitischen Gründen problematisch ist. Für Gäste – sprich: vermutlich Hotelgäste – soll es eine Quartiersgarage geben, deren Einfahrt in der Holstenstraße und deren Ausfahrt (nebst Kiosk und Toilettenhäuschen) mehr oder weniger neben der Haubachstraße 91 bzw. dem sog. Brauerquartier sein wird. Dafür wird das kleine Werkstattgebäude der Haubachstraße 91 wohl abgerissen werden.
Erweiterungsfläche der Theodor-Haubach-Schule für Neubau Doppel-DIN-Zweifeldhalle mit zwei wettkampftauglichen Spielfeldern (wie im städtebaulichen Vertragsentwurf von 2021 vorgesehen). Hier stellte sich der Quantum-Vertreter ahnungslos und konnte oder wollte keine Auskunft geben.

Zusammengefasst gibt es gegenüber der Planung von 2021/22 einige Verbesserungen, aber auch deutliche Verschlechterungen und vor allem jede Menge offener Fragen, die gestern im Ausschuss leider nicht gestellt wurden (oder von unserer Seite nicht gestellt werden durften). Seitens der Politik definitiv kein guter Start für einen Einstieg in die dringend benötigte öffentliche und demokratische Debatte!