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Kaufvertrag zwischen SAGA und Quantum – und viele Fragen offen!

Am 23. Februar 2026 gaben die Quantum Immobilien AG und das städtische Wohnungsunternehmen SAGA bekannt, dass sie einen Vertrag abgeschlossen haben, der den Ankauf von 700 schlüsselfertigen geförderten Wohnungen und den entsprechenden Grundstücken auf dem Holstenareal durch die SAGA beinhaltet. Was als Fortschritt nach jahrelangem Stillstand auf der Bauchschmerz-Brache (MOPO) erscheint, wirft eine Reihe von Fragen auf:

Lange Zeit wurde fälschlicherweise der Eindruck erweckt, die SAGA sei Teil des Käuferkonsortiums und somit neue Miteigentümerin des Holstenareals. Da dies offensichtlich nicht der Fall ist, wäre es nun interessant zu erfahren, warum auf den Direkterwerb verzichtet wurde und welcher Preis zwischen der Stadt bzw. SAGA und Quantum für den Ankauf der Grundstücke und fertig gebauten Wohnungen vereinbart wurde. Unsere Befürchtung ist, dass der Preis deutlich über dem liegen wird, der zu zahlen gewesen wäre, wenn die Stadt ihr Vorkaufsrecht an dem Grundstück in Anspruch genommen hätte und die SAGA selbst als Bauherrin aufgetreten wäre. Da beides versäumt wurde, ist dies wohl vor allem ein gutes Geschäft für die Quantum Immobilien AG.

Völlig offen ist zudem, wie die geförderten Wohnungen auf die drei Förderwege verteilt sein werden. Zurzeit haben 36 % der Hamburger Bevölkerung Anspruch auf eine geförderte Wohnung nach dem 1. Förderweg (Anfangsmiete 7,85 Euro netto kalt/Einkommensgrenze für eine Person 19.200 Euro), 14 % nach dem 2. (9,99/24.000 Euro) und 15 % nach dem 3. Förderweg (12,95/28.800 Euro). Diese Relation darf nicht zugunsten des 3. Förderweges, sprich: der Besserverdienenden, verschoben werden. Offen ist weiterhin, wie viele sog. WA-Wohnungen auf dem Holstenareal für Menschen in sozialen Notlagen und mit dem dringlichsten Bedarf vorgesehen sind und ob es die mit den Volksinis „Keine Profite mit Boden und Miete“ vereinbarten sog. „Sozialwohnungen plus“ mit 100-jähriger Mietpreisbindung geben wird.

In diesem Zusammenhang ist es kein gutes Omen, dass der Vorstandssprecher der SAGA, Thomas Krebs, auf das Paloma-Viertel in St. Pauli (ehemalige Esso-Häuser) als Beispiel einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem „Partner Quantum“ verweist. Dort wurde mit dem St. Pauli Code ein vorbildlicher und international beachteter Beteiligungsprozess in rücksichtsloser Weise in die Tonne getreten. Zudem wurde die Anzahl der Wohnungen reduziert, die Zahl der Hotelzimmer erhöht, die Baugemeinschaften wurden ersatzlos gestrichen, Sozialwohnungen plus sind nicht vorgesehen und von den geförderten Wohnungen sollen 50 Prozent im 3. Förderweg für Besserverdienende gebaut werden. Es kommt also sehr auf die Perspektive an, was man unter „Erfolg“ versteht und wer von ihm profitiert.

Ein Rätsel ist auch, wie mit der – im Vergleich zum alten Bebauungsplanentwurf – geplanten Verdopplung der Bewohner*innenzahl ein klimaverträgliches Quartier mit ausreichend großen Grünflächen geschaffen werden soll. Waren im alten Bebauungsplan 1.240 Wohnungen für ca. 2.500 Bewohner*innen vorgesehen, sollen es nun 2.000 Wohnungen für 5.000 Bewohner*innen auf einer Fläche von 8,6 Hektar werden. Zum Vergleich: In der bereits dicht besiedelten und hoch versiegelten neuen Mitte Altona wohnen ca. 3.600 Menschen auf 12,4 Hektar. Die massive Erhöhung der Verdichtung und der Anzahl der Wohnungen hat aus unserer Sicht weniger mit einer Antwort auf die Wohnungsnot als vielmehr mit den Renditeerwartungen des Investors zu tun. Gerne heißt es dann, diesem müsse man entgegenkommen, da er einen hohen Preis für das Grundstück gezahlt habe. Was wiederum daran liegt, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht nicht gezogen hat, womit sich der Kreis schließt.

Viele der aufgeworfenen Fragen bleiben nur allzu häufig mit Hinweis auf das Geschäftsgeheimnis unbeantwortet, genauso wie die Verhandlungen zwischen Stadt bzw. Bezirk und Quantum seit Monaten unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt werden. In der Regel werden so hinter den Kulissen alle wesentlichen Eckpunkte festgezurrt, die im weiteren Bebauungsplanverfahren nur noch schwer zu ändern sind. Wir kritisieren diesen Mangel an Transparenz ausdrücklich. Wie das zukünftige Holstenquartier beschaffen sein wird, geht die gesamte Stadtgesellschaft an. All diese Fragen sollten unter Beteiligung der Bevölkerung debattiert werden, um das Beste für das geplante Quartier herauszuholen: im Sinne eines sozialen, lebendigen, inklusiven und klimaverträglichen Stadtteils und zum Wohle seiner Bewohner*innen und einer zukunftsfähigen Stadt.